(Bericht von Manuel)

Nachdem ein erster Vorschlag für einen Bouleausflug keinen Anklang fand, wurde ein weiterer Vorschlag von einer stattlichen Anzahl an Interessenten angenommen. Wir fuhren in die “älteste Stadt Deutschlands“ rechts des Rheins, nach Ladenburg. Allerdings gibt es keine amtlich bestätigte “älteste Stadt Deutschlands“, da die Kriterien für die Definition dafür nicht klar sind. Jedenfalls hat der römische Kaiser Trajan im Jahr 98 n.Chr. der Siedlung Lopodunum das Stadtrecht verliehen. Wir kamen pünktlich mit der S-Bahn in Ladenburg an. Unser erster Weg führte uns an der alten Stadtmauer entlang über die Hauptstraße zum Marktplatz im Zentrum der Altstadt, wo an den Wochenenden der Weihnachtsmarkt stattfindet. Hier konnten wir ein leichtes Mittagessen zu uns nehmen, z.B. in Form einer Bratwurst mit Brötchen nach Thüringer Art. Dazu konnte man sich selbst so viel Nachschub an Senf und Ketchup an der Bude abholen, wie man wollte :-))!
Um 14 Uhr waren wir dann zu einer Stadtführung verabredet. Ausgangspunkt war der Wasserturm am Stadtrand nahe des Neckars. Hier trafen uns mit einer Mitarbeiterin des Heimatbundes Ladenburg e.V., die uns nach der Begrüßung interessante Einzelheiten der Stadtgeschichte nahe brachte.
Zunächst in Sichtweite die Wirkungsstätte von Karl Benz, seine Steingarage aus dem Jahr 1910 – mit Studierzimmer im 1. Stock – im Stil eines mittelalterlichen Wehrturms. Sie gilt als älteste geplante Garage der Welt. Wir standen alle im Kreis und langsam merkten wir, auf welch riskantes Unternehmen wir uns eingelassen hatten. Uns erging es wie Verbrennungsmotoren in Sibirien, die, wenn sie stehen, d.h. abgeschaltet werden, alsbald einfrieren. Deshalb baten wir, uns wieder in Bewegung setzen zu dürfen, auch wenn dann der Vortrag etwas gestraffter ausfiel als geplant. Die nächste Station war ein Bronze-Relief der Stadt. Hier konnten wir uns einen Überblick über die Lage verschaffen und den Weg zum Marktplatz nachvollziehen. Weiter ging’s zu einer Überraschung in der Zufahrt zur Tiefgarage unter dem Rathaus. Wer hätte gedacht, dass im diesem Bereich Reste einer Hafenanlage aus der spätrömischen Zeit (4. Jahrhundert) zu sehen sind, nämlich Reste von einem Burgus: mehrstöckiger Steinturm, von einer Mauer umgeben, die sich zum Fluß hin in eine geschützte Schiffsanlegestelle öffnet. Das Mauerwerk ist in Fischgräten- oder Ährenmuster (opus spicatum; spica = Ähre) angelegt. Auch der Brunnen des Burgus wurde hier integriert. Weitere Stationen unseres Lehrgangs waren das Lobdengau-Museum (Außenansicht), ehemals Schloss Bischofshof, Teile der Niederungsburg, die hier stand, Teile der Stadtmauer und offengelegte Fundamente von römischen Ruinen.
Die letzte Station unserer Führung war der Domhofplatz (Gockelsmarkt) vor dem neuen Rathaus, das Zentrum der mittelalterlichen Stadt. Hier sind Bronzeskulpturen zu sehen, die der Bildhauer Karl Ulrich Nuss geschaffen hat. Sie zeigen anschaulich Themen aus der Geschichte der Stadt. Am auffälligsten ist eine Zweier-Gruppe, dem Bischof von Worms und dem Kurfürst von der Pfalz, welche sich im Disput gegenüber stehen. So soll an die Zeit ihrer langen Doppelherrschaft über die Stadt (1375 bis 1705) erinnert werden. Weiterhin ein römischer Legionär, er hält demonstrativ ein Schriftstück in beiden Händen, auf dem er seine Rechte als einfacher Soldat geltend macht. Schließlich, etwas im Hintergrund, ein Mann aus dem Volk in tief gebückter Haltung mit dem Rücken zum Rathaus, womit er die Haltung der Bürgerschaft zur Obrigkeit zum Ausdruck bringen will. Bis zum Abendessen war noch Zeit. So konnten wir uns im Eiscafé Forum am Markt bei Kaffee und Kuchen aufwärmen. Die verbliebene Zeit bis zum Abendessen habe ich genutzt, um die weitere Umgebung um den Marktplatz zu erkunden. In den stillen Seitenstraßen boten sich malerische Fotomotive. Auch den beiden Kirchen stattet ich meinen Besuch ab. Meine besondere Aufmerksamkeit habe ich dann noch der Galerie Menrad in der Hauptstraße gewidmet, da ich mich für Malerei und Druckgrafik interessiere und seit 30 Jahren selbst male.
Im Gasthaus “Zum Ochsen“ waren schon alle anderen versammelt und ich durfte mich auf den freien Platz für mich dazu setzen. Die quasi runde Sitzordnung an einem großen Tisch hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich eine ausgelassene Stimmung entwickeln konnte. Das ausgezeichnete Essen sollte der Höhepunkt unseres Ausflugs werden und wurde es auch, doch es hat sich dann ein bisschen anders weiter entwickelt. Rechtzeitig machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof, um mit der S-Bahn die Heimfahrt anzutreten. Auf dem Bahnsteig wurden wir schlagartig in die harte Realität zurück geholt. Eine Verspätung von 35 Minuten war angezeigt. Der eisige Wind begann, an unseren Nerven zu zerren. Unsere Kleidung war nicht besonders gut an diese Situation angepasst. Was jetzt tun? Pessimisten äußerten Zweifel und verwiesen auf Erfahrungen mit Verspätungen, die sich in Intervallen bis zum Totalausfall steigerten. Andere dachten darüber nach, Großraumtaxis zu organisieren. Dieser Idee wurde aber keine gute Möglichkeit zugebilligt. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig als abzuwarten und zu beobachten, ob die angezeigte Verspätung unverändert beibehalten wird.
Glücklicherweise war das der Fall, und nach versprochener Wartezeit fuhr die Bahn pünktlich ein. In Heidelberg mussten wir umsteigen. Der Anschlusszug kam dann ganz schnell und hat uns ganz schnell nach Hause gefahren ;- )). – Die Wege der DB sind unergründlich.
Und dennoch ‘schreiben wir in unsere Wochenchronik, wieder ein Erlebnis voll von Honig!‘. (Christian Morgenstern).
Allen ein Gutes Neues Jahr!
Manuel

Categories: Boule